Präventionszentren Baden-Württemberg
Inhalt
Numéro 6026
Thème
Gesundheit
17.04.2012
Ich möchte an die im Juli 2009 gestartete "Gesundheitsstrategie Baden-Württemberg" Schwerpunkt "Prävention und Gesundheitsförderung" anknüpfen und dem Land einen Projektvorschlag unterbreiten. Krankheiten sollte vorgebeugt werden, anstatt sie zu therapieren. Die Medizin ist immer noch krankheitsorientiert, Krankheiten werden behandelt, aber sie werden viel zu selten verhindert. Die Medizin muss gesundheitsorientierter werden, durch den Einsatz von Präventionsmaßnahmen. Präventionsmaßnahmen werden, längerfristig betrachtet, zu Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen führen. 2010 wurden 176 Milliarden Euro von den gesetzlichen Krankenversicherungen ausgegeben, weniger als 1 Prozent davon wurden für Präventionsmaßnahmen verwendet, das ist entschieden zu wenig. Die Gesundheit, die Lebensqualität und die Eigenverantwortung der Bevölkerung, muss durch Aufklärung und Beratung, verbessert werden.
Mit gesunder Lebensführung, gesunder Ernährung, ausreichend Bewegung und Entspannungsmaßnahmen, können Krankheiten verhindert werden. Die meisten Menschen jedoch bewegen sich zu wenig, essen zu viel, zu süß, zu fett und deshalb entstehen Zivilisationskrankheiten, wie Herz-Kreislauf-Leiden, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Krebs, und Übergewicht. Nach einer aktuellen Studie der Technischen Universität München belaufen sich bereits heute die Folgekosten von Fettleibigkeit in Deutschland pro Jahr auf über 13 Milliarden Euro und werden in Zukunft auf über 26 Milliarden Euro steigen.
Projektvorschlag: In jeder größeren Stadt ein Präventionszentrum errichten, angegliedert an das Krankenhaus und Ärztezentrum der Stadt. Die Menschen entwickeln nach einem Krankenhausaufenthalt und überstandener Krankheit, ein erhöhtes Bewusstsein für Gesundheit und Krankheit und sind deshalb eher motiviert, entscheidende Veränderungen in ihrer Lebensweise vorzunehmen. Patienten sind in dieser Phase ihres Lebens, für eine Hilfestellung überaus dankbar, vor allem chronisch Kranke, denen die Schulmedizin, nicht immer weiterhelfen kann. Mit Gesundheitsförderung, Gesundheitscoaching, Gesundheitstraining, Kursangeboten, Vorträgen und individueller Beratung im Präventionszentrum, kann der Gesundheitszustand der Bevölkerung nachhaltig verbessert werden. Auf Wunsch des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Frauen und Senioren Baden-Württemberg, kann eine Gesamtkonzeption für ein Pilotprojekt "Präventionszentren Baden-Württemberg" vorgelegt. Im Projektteam wären auch Hochschul-Professoren vertreten.
Antwort Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg am 30.04.2012
Wir teilen die Auffassung, dass gerade vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und der Zunahme chronischer Erkrankungen, Gesundheitsförderung und Prävention stärker als bisher gefördert werden müssen.
Den Blick nur auf eine Verbesserung der medizinischen Versorgung zu richten, wird nicht mehr ausreichen.
Es ist ein Kernanliegen der neuen Gesundheitspolitik der Landesregierung, Prävention und Gesundheitsförderung nachhaltig zu stärken und zu einem gesundheitspolitischen Schwerpunkt weiter zu entwickeln, der gleichberechtigt neben Kuration, Pflege und Rehabilitation steht.
Denn: vor der guten Versorgung im Krankheitsfall steht das Interesse gesund zu bleiben und Gesundheitsrisiken zu vermeiden.
Mit der Gesundheitsstrategie Baden-Württemberg haben wir dies bereits frühzeitig aufgegriffen. Wir setzen sowohl bei der Verantwortung und Entscheidung des Einzelnen an, als auch bei den Lebenswelten der Menschen, wie z.B. der Schule oder dem Betrieb sowie bei den politischen Rahmenbedingungen.
Wichtig ist uns außerdem, den Bürger noch stärker als bisher mit einzubinden. Deshalb sollen in einem strukturierten Gesundheitsdialog Baden-Württemberg alle Bürgerinnen und Bürger und die im Gesundheitswesen Beteiligten in die Weiterentwicklung und Stärkung von Prävention und Gesundheitsförderung einbezogen werden.
Hierzu sollen auf Landesebene bereits vorhandene bzw. geplante Gremien, wie das Gesundheits- Forum Baden-Württemberg sowie der sektorenübergreifende Beirat genutzt und weiter ausgebaut werden.
Auf Ebene der Land- und Stadtkreise bilden Kommunalen Gesundheitskonferenzen wichtige Plattformen für den Gesundheitsdialog. Erfreulicherweise haben sich bereits heute drei Viertel der Land- und Stadtkreise in Baden-Württemberg bereit erklärt, solche Konferenzen einzurichten.
Außerdem soll auch in den Städte und Gemeinden an „Runden Tischen“ Prävention und Gesundheitsförderung thematisiert werden.
Vorschläge von Bürgerinnen und Bürgern zur Weiterentwicklung und Stärkung von Prävention und Gesundheitsförderung wie z.B. die Einrichtung von Präventionszentren an Krankenhäusern bzw. an Ärztezentren, sind uns jederzeit herzlich willkommen.
Wir werden diese dann, sofern sie den Gestaltungsbereich der Land- und Stadtkreise bzw. großer Städte betreffen, im Rahmen des regelmäßig stattfinden Fachaustauschs Kommunaler Gesundheitskonferenzen präsentieren.