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Vorgangsnummer 175

Thema
Schulische Bildung

07.07.2004

Nach der PISA-Studie wurde in der Presse berichtet, dass der frühe Unterrichtsbeginn zwischen 7.30 Uhr und 8.00 Uhr mit ein Grund für das ungünstige Abschneiden Deutschlands sein könnte, nachdem in den "besseren" Staaten der Unterrichts meist erst gegen 9 Uhr beginnt: Jugendliche hätten allgemein einen Schlafrhythmus, der sie erst ab etwa 9 Uhr zu ausreichender Leistung befähige. Im Zuge der Einführung des achtjährigen Gymnasiums erhöht sich wohl die wöchentliche Stundenzahl, weshalb inzwischen weitere Schulen darüber nachdenken, ihren Unterrichtsbeginn auf die früheste zulässige Uhrzeit um 7.30 Uhr vorzulegen. Soweit noch nicht erfolgt, rege ich deshalb an, einen Unterrichtsbeginn erst gegen 9 Uhr anzustreben. Neben dem pädagogischen Aspekt sehe ich auch Vorteile für die Schülerbeförderung, weil durch einen späteren Schulbeginn die extrem teuren Verkehrsspitzen gegen 7 Uhr vermieden werden. Nachdem jüngst drastische Kürzungen bei den Zuschüssen zur Schülerbeförderung beschlossen wurden, könnten die Verkehrsunternehmen hierdurch Kosten sparen, so dass die zusätzlichen Belastungen der Familien nicht so hoch ausfallen müssten. Als Ausgleich für die am Morgen wegfallende Unterrichtszeit könnten eventuell die beweglichen Ferientage und die einzelnen Ferienwochen im Herbst sowie an Fastnacht und Ostern gestrichen werden. Auch dadurch würden die Ressourcen besser genutzt und außerdem die Ballung von Klassenarbeiten verringert, weil diese oft vor den Ferien angesetzt werden.

Antwort Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg am 07.10.2004

Der frühe Unterrichtsbeginn ist kein entscheidendes Merkmal für die Unterrichtsqualität oder den Lernerfolg bei Schülerinnen und Schülern. Dies wird auch in der PISA-Studie nicht behauptet. Die Biologie liefert keine Hinweise darauf, dass der bei uns praktizierte Unterrichtsbeginn aufgrund des Schlafrhythmus und daraus eventuell entstehender Konzentrationsmängel zu schlechteren Schülerleistungen führt. In der Regel reicht es aus, in der individuellen Lebensgestaltung dafür zu sorgen, dass ausreichend Zeit (ca. 8 Stunden, insbesondere vor Mitternacht) für den Schlaf zur Verfügung steht. Die Schülerbeförderung gehört zu den wichtigen Belangen, die im Blickfeld der Schulorganisation stehen. Die Schulen sind dazu angehalten in Fragen der Schülerbeförderung in Abstimmung mit allen Beteiligten, seien es Schulträger, Kostenträger oder Beförderungsunternehmen, allseits vertretbare Lösungen zu suchen. Die Schulorganisation hat vielen Aspekten Rechnung zu tragen. Hierzu gehören neben der Schülerbeförderung insbesondere aus den Bildungsplänen erwachsende Zwangsläufigkeiten, die Notwendigkeit zu effektiver Belegung von Schul- und Fachräumen und nicht zuletzt auch das Interesse der Eltern an festen Zeiten, in denen sie ihre Kinder in der Schule betreut wissen. Eine Reduzierung der sogenannten "kleinen" Schulferien könnte möglicherweise dazu beitragen, über etwaige dadurch eröffnete Spielräume für schulorganisatorische Maßnahmen zu positiven Wirkungen für die Unterrichtszeit zu kommen. Der insoweit bestehende Spielraum ist dabei gering. Die Zahl der Ferientage liegt bundeseinheitlich fest. Entsprechendes gilt nach eingehenden Beratungen in der Kultusministerkonferenz und der Ministerpräsidentenkonferenz für die zeitliche Lage und Dauer der Sommerferien bis einschließlich 2010.