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Umsatzsteuer - Jahreserklärung oder Voranmeldung abgeben

Die Umsatzsteuer - auch Mehrwertsteuer genannt - knüpft an wirtschaftliche Vorgänge an. Die Höhe der Steuer richtet sich nach dem geltenden Steuersatz. Der Umsatzsteuer unterliegen

  • Lieferungen und sonstigen Leistungen,
  • die Einfuhr von Gegenständen aus dem Drittland in das Inland (die hierbei entstehende Einfuhrumsatzsteuer wird vom Zoll erhoben) und
  • der innergemeinschaftliche Erwerb (Bezug von Waren aus den übrigen Ländern der Europäischen Union, dem Gemeinschaftsgebiet).

Wer schuldet die Umsatzsteuer?

Als Verbraucherabgabe ist die Umsatzsteuer darauf angelegt, dass sie wirtschaftlich vom Konsumenten getragen wird. Technisch wäre es jedoch nicht möglich, die Umsatzsteuer beim Verbraucher zu erheben. Schuldner der Umsatzsteuer ist deshalb grundsätzlich der Unternehmer, der einen Umsatz ausführt. Weil die Umsatzsteuer vom Konsumenten auf dem Umweg über den Unternehmer erhoben wird, zählt sie zu den indirekten Steuern.

Das Umsatzsteuergesetz sieht vor, dass in bestimmten Fällen nicht der Leistungserbringer, sondern der Leistungsempfänger die Umsatzsteuer schuldet. Diese auch als "Reverse-Charge-Regelung" bezeichnete Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers gilt beispielsweise dann, wenn im Ausland ansässige Unternehmer im Inland steuerpflichtige Werklieferungen oder steuerpflichtige sonstige Leistungen erbringen. In diesen Fällen ist der Leistungsempfänger Schuldner der Umsatzsteuer, wenn er Unternehmer oder eine juristische Person ist.

Steuersätze

Es gibt den allgemeinen Steuersatz von 19 Prozent und den ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent. Der ermäßigte Steuersatz gilt z.B. für die Lieferung von fast allen Lebensmitteln (ausgenommen Getränke und Gaststättenumsätze) sowie für den Personennahverkehr und die Lieferung von Büchern und Zeitungen.

Vorsteuerabzug

Die Umsatzsteuer ist als sogenanntes Mehrwertsteuersystem ausgestaltet. Die "Mehrwert"-Besteuerung wird dadurch erreicht, dass der Unternehmer von der geschuldeten Umsatzsteuer die ihm für empfangene Leistungen in Rechnung gestellte Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehen darf. Ein vereinfachtes schematisches Beispiel, an dem der Weg einer Ware über mehrere Handelsstufen zum Endverbraucher verfolgt wird, soll die Funktionsweise des Mehrwertsteuersystems verdeutlichen:

Händler A liefert an Händler B eine Ware für 100 Euro zuzüglich 19 Euro Umsatzsteuer (19 Prozent von 100 Euro). A zahlt 19 Euro Umsatzsteuer an das Finanzamt. In gleicher Höhe macht B gegenüber dem Finanzamt einen Vorsteuerabzug geltend.

Veräußert B den Gegenstand für 140 Euro zuzüglich 26,60 Euro Umsatzsteuer (19 Prozent von 140 Euro) an den Händler C weiter, hat B für diesen Umsatz 26,60 Euro Umsatzsteuer an das Finanzamt zu entrichten, während C in gleicher Höhe einen Vorsteuerabzug in Anspruch nimmt.

Veräußert C diese Waren für 200 Euro zuzüglich 38 Euro Umsatzsteuer (19 Prozent von 200 Euro) an einen Endverbraucher, hat er für den Umsatz 38 Euro Umsatzsteuer an das Finanzamt zu entrichten. Dieser Betrag verbleibt endgültig dem Fiskus. An dem Beispiel wird deutlich, dass die Umsatzsteuer eine Steuer ist, die sich beim Verkauf an einen Letztverbraucher realisiert.

Die Vorsteuern können allerdings nur abgezogen werden, wenn sie auf Umsätze entfallen, die für das Unternehmen bestimmt sind. Für Leistungen, die ausschließlich unternehmensfremden Zwecken dienen (z.B. Erwerb eines privat genutzten Fernsehgeräts), ist daher der Vorsteuerabzug ausgeschlossen.

Unternehmer, die von der Umsatzsteuer befreite Umsätze tätigen, können grundsätzlich die ihnen in Rechnung gestellten Vorsteuern nicht abziehen. Eine Ausnahme hiervon gilt z.B. für innergemeinschaftliche Lieferungen und für Ausfuhren in Drittstaaten. Durch die Befreiung der innergemeinschaftlichen Lieferungen und Ausfuhren unter Gewährung des Vorsteuerabzugs wird erreicht, dass Exportwaren die Grenze ohne umsatzsteuerliche Belastung überschreiten. Diese Maßnahme entspricht dem innerhalb der Europäischen Union grundsätzlich geltenden Bestimmungslandprinzip, wonach Waren im Land des Verbrauchs der Umsatzbesteuerung unterworfen werden, um Wettbewerbsnachteile für den exportierenden Unternehmer zu vermeiden.

Unternehmer, die sowohl steuerpflichtige Umsätze als auch steuerfreie Umsätze ohne Vorsteuerabzug ausführen, müssen ihre Vorsteuern in abziehbare und nicht abziehbare Beträge aufteilen.

Voraussetzungen

Voraussetzung für die Umsatzsteuerpflicht ist die sogenannte Unternehmereigenschaft. Nur wer Unternehmer ist, kann auch Leistungen erbringen, die der Umsatzsteuer unterliegen.

Verfahrensablauf

Umsatzsteuer-Jahreserklärung

Für jedes Kalenderjahr ist eine Umsatzsteuererklärung bis zum 31. Mai des darauffolgenden Jahres einzureichen. Sie müssen die Steuer selbst berechnen und innerhalb eines Monats nach Abgabe der Erklärung unaufgefordert bezahlen. Das Finanzamt setzt die Steuer nur dann durch einen Steuerbescheid fest, wenn es von den erklärten Beträgen abweicht.

Umsatzsteuer-Voranmeldung

  • Hat die die Umsatzsteuer für das vorangegangene Kalenderjahr mehr als 7.500 Euro betragen, müssen im laufenden Jahr monatlich Umsatzsteuer-Voranmeldungen abgegeben werden.
  • Hat die Vorjahressteuer nicht mehr als 1.000 Euro betragen, kann Sie das Finanzamt von der Abgabe von Umsatzsteuer-Voranmeldungen befreien. In diesem Fall ist nur eine Jahreserklärung abzugeben.
  • Wenn sich für das vorangegangene Kalenderjahr ein Überschuss zu Ihren Gunsten von mehr als 7.500 Euro ergeben hat, können Sie an Stelle des Kalendervierteljahres den Kalendermonat als Voranmeldungszeitraum wählen.
  • Wenn Sie als Unternehmensgründer erstmalig eine berufliche oder gewerbliche Tätigkeit aufnehmen, müssen Sie im Jahr der Unternehmensgründung und im folgenden Kalenderjahr monatliche Umsatzsteuer-Voranmeldungen abgeben.

Die Voranmeldung muss spätestens am 10. Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums (Vierteljahr, Monat) beim Finanzamt eingehen. Gleichzeitig müssen Sie die selbst errechnete Steuer bezahlen.

Verpflichtung zur authentifizierten elektronischen Übermittlung

Seit dem 01.01.2013 müssen die Umsatzsteuer-Voranmeldung sowie der Antrag auf Dauerfristverlängerung authentifiziert elektronisch an die Finanzverwaltung übermittelt werden.

Die Authentifizierung erfolgt durch das ELSTER-Zertifikat. Dieses Zertifikat hat die Funktion einer elektronischen Unterschrift und dient Sicherheitszwecken. Das Zertifikat soll die Vertraulichkeit, Authentizität (Identität des Absenders) und Integrität (Unveränderbarkeit des Dateninhalts) der gesendeten Daten sicherstellen.

Zur Erlangung des Zertifikats ist eine Registrierung im ELSTEROnline-Portal zwingend erforderlich. Der Registrierungsprozess umfasst mehrere Schritte (z.B. Absenden der Registrierungsdaten, Versenden einer Bestätigungs-Mail durch das ELSTEROnline-Portal, Versenden des Aktivierungscodes durch Briefpost). Wegen der notwendigen Bearbeitungsschritte wird angeraten, die Registrierung rechtzeitig vorzunehmen.

Zur elektronischen Übermittlung steht Ihnen das Programm Elster kostenlos zur Verfügung. Dort erhalten Sie auch nähere Erläuterungen zum Registrierungsprozess.

Fristen

Umsatzsteuer-Jahreserklärung:
Die Umsatzsteuererklärung muss bis spätestens 31.05. des Folgejahres eingereicht werden. Sofern Sie die Hilfe eines Angehörigen der steuerberatenden Berufe in Anspruch nehmen und dieser die Erklärung angefertigt, gilt eine allgemein verlängerte Frist bis zum 31.12. des Folgejahres.

Umsatzsteuer-Voranmeldung:
Die Umsatzsteuer-voranmeldung muss spätestens bis zum 10. Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums (Monat/ Vierteljahr) an das Finanzamt übermittelt werden. Zur Möglichkeit der Inanspruchnahme einer Dauerfristverlängerung s.o.

 

Erforderliche Unterlagen

Neben der Umsatzsteuer-Voranmeldung beziehungsweise Umsatzsteuer-Jahreserklärung ist es im Einzelfall eventuell notwendig, noch weitere Unterlagen vorzulegen. Hierbei kann es sich beispielsweise um Eingangsrechnungen, Verträge oder Ähnliches handeln.

Kosten

keine

Sonstiges

Auf der Internetseite des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg ist eine Informationsbroschüre für Existenzgründer zum Download bereitgestellt. Darin werden auch umsatzsteuerliche Fragen, die sich im Zusammenhang mit der Aufnahme einer unternehmerischen Tätigkeit ergeben, beantwortet. Informationen erhalten Sie auch bei Ihrem Finanzamt.

Rechtsgrundlage

Umsatzsteuergesetz

Umsatzsteuerdurchführungsverordnung

Contextspalte


Junger Mann in Anzug und Krawatte in Startposition auf einer Tartanbahn
 
 

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Freigabevermerk

Dieser Text entstand in enger Zusammenarbeit mit den fachlich zuständigen Stellen. Das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg, vertreten durch die Oberfinanzdirektion Karlsruhe, hat dessen ausführliche Fassung am 22.07.2014 freigegeben.